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Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)

1914-1918 Vom europäischen Vielvölkerstaat zum tschechischen Nationalstaat

Am Beginn des Ersten Weltkriegs steht eine slawische Provokation, da das Attentat von Sarajewo am 28.6.1914 vom russischen Gesandten Nikolaus Hartwig, einem überzeugten Panslawisten, finanziert wurde. Bereits im Mai hatte Karel Kramár, der führende tschechische Politiker im Reichsrat, den Plan für einen eigenständigen Staat im Rahmen eines slawischen Großreiches mit einem russischen Großkönig entwickelt und 30.000 Goldkronen für die "Arbeit an einem slawischen Imperium" ins Ausland gesandt.


Nach Ausbruch des Krieges ging Tomáš Garrigue Masaryk, der durch seine amerikanische Frau und seinen Landsmann Viktor Voska über weitreichende Beziehungen bis zum Präsidenten Wilson und Geldgebern in den USA verfügte, auf Umwegen nach Paris, wohin ihm Edvard Beneš (unter dem Namen des Gewerkschafters Miroslav Schicha mit bedeutenden Geldmitteln) folgte. Von dort begannen die beiden eine umfangreiche Tätigkeit über den Secret Service und die Journalisten Henry Wickham Steed und Robert William Seton-Watson. Die von Kramár geleitete Geheimorganisation "Maffia", welche zuverlässige Quellen beim Wiener Hof abschöpfen konnte, lieferte monatlich über Kuriere wichtige Informationen, die vom Geheimdienst großzügig finanziert wurden.


Obwohl die "tschechische Auslandsaktion" demokratisch nicht legitimiert war, erklärte sie schon am 6.7.1915 von der Schweiz aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie den Krieg, in dessen Folge ganze tschechische Truppenteile zum Feind überliefen und die Mitglieder der "Maffia" wegen Hochverrates zum Tode verurteilt, aber später von Kaiser Karl begnadigt wurden. 1916 fordert der "Tschechoslowakische Nationalrat" in einer Resolution in Paris: "Zerstört die Österreichisch-Ungarische Monarchie und bildet aus Überläufern in Russland die Tschechoslowakische Legion", die von 1918 bis 1920 einen gigantischen Raubzug durch die sibirischen Armeelager unternimmt, den russischen Goldschatz raubt und nach Aussage des weißrussischen Generalstabschefs K. W. Sakharow der Grund für den Sieg der Bolschewiken ist. Zugleich wird der "Tschechoslowakische Nationalausschuss" als Siegermacht anerkannt.


Am 8.1.1918 hatte der US-Präsident Wilson das Selbstbestimmungsrecht der Völker der Monarchie als Bedingung für einen Frieden "ohne Sieger und Besiegte" erklärt.


Bei den Waffenstillstandsverhandlungen wurden die Friedensbedingungen Wilsons angenommen. T. G. Masaryk hatte bereits am 30. Mai 1918 in den USA den "Pittsburgher Vertrag" mit den Exil-Slowaken geschlossen. Am 28.10.1918 wurde in Prag die "Tschechoslowakische Republik" proklamiert. Nach der Ausrufung der "Republik Deutsch-Österreich" am 30.10.1918 erklärten die Provinzen "Sudetenland", "Deutsch Böhmen" und "Deutsch Südmähren" unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht ihren Beitritt. Auch das Egerland hatte sich von Böhmen losgesagt und verhandelte mit Bayern wegen eines Anschlusses am 19.11.1918. Die aus zurückgekehrten Legionären gebildete ČS-Armee okkupierte jedoch die deutschen Siedlungsgebiete bis 16.12.1918 und schuf vollendete Tatsachen.


Bei seiner Rückkehr nach Prag am 22.12.1918 erklärte Präsident Masaryk in seiner Antrittsrede, dass "das deutsche Gebiet unser Gebiet bleibt und wir das volle Recht auf den Reichtum dieses Gebietes haben", und wenige Tage später dem Pariser Matin, dass "die Stellung der tschechenfeindlichen Deutschen, die ursprünglich als Kolonisten ins Land gekommen sind, von uns bestimmt wird und sich ihre Zahl durch eine sehr rasche Entgermanisierung stark vermindern wird."


Verweigerung des Selbstbestimmungsrechtes


Am 4.3.1919, als in Österreich das Parlament zusammentrat und die sudetendeutschen Abgeordneten nicht nach Wien reisen durften, riefen die sudetendeutschen Parteien zum Protest einen Generalstreik aus, mit dem für das Selbstbestimmungsrecht demonstriert werden sollte. In 16 deutschen Bezirksstädten (u. a. Kaaden, Sternberg, Karlsbad, etc.) wurde in die unbewaffnete, friedliche Menschenmenge geschossen und dadurch die Demonstration blutig unterdrückt: 54 Tote (darunter Greise, Frauen und Kinder) und hunderte Verletzte waren zu beklagen.


Am 10.3.1919 hat der Harvard-Professor Archibald Coolidge als Mitglied der "Miles-Mission", die im Auftrag der in Paris tagenden Friedenskonferenz die ethnisch umstrittenen Gebiete bereiste, die Abtretung der deutschen Gebiete empfohlen. Edvard Beneš nahm auf diese Konferenz größten Einfluss und scheute auch nicht vor wahrheitswidrigen Behauptungen über die Zahl der Deutschen und den Einsatz von gefälschten Karten über ihre Siedlungsgebiete zurück.


Schließlich legte er die Note vom 20.5.1919 - Memoire III - vor, in der die Gleichberechtigung der Nationen und Sprachen, Deutsch als zweite Landessprache, ein "liberales Regime, das demjenigen der Schweiz stark gleichen wird", zugesagt wurde. Die österreichische Delegation unter Staatskanzler Dr. Karl Renner konnte keinen Einfluss auf die Konferenz gewinnen. Österreich verlor Südtirol, die Untersteiermark und die böhmisch-mährischen deutschen Randgebiete; Kärnten konnte nur nach hartem Abwehrkampf und einer Volksabstimmung am 20.10.1920 bei Österreich verbleiben. Am 10.9.1919 musste Österreich den Staatsvertrag von St. Germain en Laye akzeptieren. Die Tschechen hatten ihre Maximalforderungen durchgesetzt.


Auch im Minderheitenschutzvertrag von Lana 1920 musste auf eine wirksame Ausübung zu Gunsten der Altösterreicher unter Zustimmung zum Anschlussverbot verzichtet werden, da die ČSR für eine Völkerbundanleihe garantierte, nachdem sie vom österreichisch-ungarischen Goldschatz im Umfang von 15 Millionen Goldkronen den Löwenanteil, nämlich 14 Millionen, erhalten hatte.




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