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Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)

1939-1945 2. Weltkrieg - Ende der „einzigen Demokratie“

Es ist eine tendenziöse Verdrehung der Fakten, wenn man den Sudetendeutschen eine Kollektivschuld an der "Zerschlagung der Tschecho-Slowakei" unterstellt, zumal die Trennung 1992 bestätigt, dass es sich um eine Fehlkonstruktion der Siegermächte von 1918 handelte; genauso wie in Jugoslawien. Es wird auch kaum beachtet, dass der Freundschaftspakt mit Sowjet-Russland 1935 eine akute Bedrohung des Deutschen Reiches war und Hitler sicher auch das enorme Rüstungspotential und die Waffenschmieden im Auge hatte. So versetzten ihn diese Tatsachen überhaupt erst in die Lage, den Krieg gegen Polen mit der Erklärung vom 1.9.1939 zu beginnen.


Im "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren" machte sich die Wut über die Okkupation zum ersten Mal am 28.10.1939 in einer Demonstration am Wenzelsplatz Luft, wobei durch polizeiliches Einschreiten zwei Personen getötet wurden, bei deren Beerdigung eine Massendemonstration erfolgte. Die Gestapo verurteilte neun Studentenführer zum Tode, sperrte 1.340 Personen ins KZ und schloss die Hochschulen für ein Jahr.


Die Pläne Hitlers vom September 1940 zur "Verdeutschung des böhmisch-mährischen Raumes durch Germanisierung der Tschechen" wurden als Grund für die Vertreibung genannt, obwohl sie erst lang nach dem Kriege bekannt wurden. Den Protektoratsbehörden gelang durch materielle Vergünstigungen und kulturelle Autonomie eine reibungslose Kriegsproduktion mit Vollbeschäftigung. Die Gewerkschaft NOUZ (als Parallelorganisation der DAF/Deutsche Arbeitsfront) sorgte für gerechten Lohn, Urlaub und bessere Sozialleistungen als in der 1. Republik. 738 deutsche Beamte und 1.146 Funktionäre in nachgeordneten Dienststellen steuerten 350.000 öffentlich bedienstete Tschechen, einschließlich Polizei, bzw. Gendarmerie und Militär.


Eine Verschärfung der Gestapo-Tätigkeit wurde mit Antritt von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich als Reichsprotektor am 27.9.1941 spürbar. Er ließ den bisherigen Ministerpräsidenten Alois Elias wegen seiner Verbindungen zum Auslandswiderstand und außerdem 400 Personen wegen "Störung der Sicherheit und des Wirtschaftslebens" hinrichten. Der Inlandswiderstand erlahmte, im Protektorat herrschte "Grabesruhe", bei besserer Versorgungslage als im "Reich". Die Geburtenrate stieg auf das Vierfache der Deutschen, da die Tschechen vom Militärdienst befreit waren.


In London hatte sich am 9.9.1940 die tschechische Exilregierung unter Monsignore Dr. Jan Šrámek (ohne Einbeziehung der sudetendeutschen Sozialdemokraten) etabliert, wobei sie sich das Netz der Botschaften und Geheimdienstmitarbeiter, wie auch bedeutende finanzielle Ressourcen zu Nutze machen konnte. Im Frühsommer 1941 traten Beneš und Hubert Ripka mit dem Begriff des "Bevölkerungstranfers" vor die Öffentlichkeit. Die sudetendeutschen Sozialdemokraten unter Wenzel Jaksch protestierten in der Deklaration von Holmhurst.


Im Juli 1941 wurde die Exilregierung anerkannt und trat der Atlantik-Charta bei. Mit Fallschirmagenten wurden der Widerstand und das Attentat auf den Reichsprotektor Heydrich am 27.5.1942 organisiert, wobei Beneš bewusst die Gestapo-Repressalie in Kauf nahm, welche am 10.6.1942 zum Massaker von Lidice mit 192 Toten und am 24.6.1942 zur Erschießung von 26 Männern in Ležaky, wo die Funkstation gefunden wurde, führte. Am 18.06.1942 wurden nach Denunziation die Attentäter in einer Prager Kirche erschossen. Weitere 1.357 Hinrichtungen bis 1.9.1942 waren die Folge, Tausende kamen ins KZ.


Auch unter den 185 sudetendeutschen Widerstandsgruppen gab es 20.000 Verhaftungen, wobei 4.000 ins KZ eingeliefert und rund 1.000 hingerichtet wurden. Leider sind die Unterlagen der Gestapo-Leitstelle in Prag niemals ausgewertet und offenbar durch Hochwasser vernichtet worden.


Eine Teilauswertung der Gestapo-Stelle Znaim beweist einen äußerst geringen Anteil von 9 % an der Summe der Delikte von tschechischer Seite, während doppelt so viele Deutsche in die Mühlen der Überwachung gerieten. Besonders die Tatsache, dass sich beim Amtsantritt Heydrichs noch mehr als 80.000 Juden im Protektorat befanden, die über Theresienstadt in die Vernichtungslager deportiert wurden, belegt die ungeheuerlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.


Umgekehrt brachte der Druck der Gestapo, wie geplant, eine Anerkennung der Vertreibungspläne, besonders bei Abschluss des "tschechisch-sowjetischen Beistandspaktes" am 12.12.1943 in Moskau mit dem Hinweis, dass auch Präsident Roosevelt bereits im Mai 1943 "dem Transfer der Nazis" zugestimmt hatte. In einer Rundfunkbotschaft aus London am 27.10.1943 hatte Beneš bereits zur Rache an den Deutschen aufgerufen: "In unserem Lande wird das Ende des Krieges mit Blut geschrieben werden... ", und am 3.11.1944 erneuerte General Ingr aus London die alte Hussitenregel: ,,Schlagt sie, tötet sie! Lasst niemanden am Leben!"


Der Kampf tschechischer Partisanen war marginal und äußerte sich erst bei Kriegsende im Zuge der im Verband der Sowjets vorrückenden "Svoboda-Armee", die am Duklapass gekämpft hatte und drei bis vier Partisanengruppen eingliederte, welche erst nach den Kampfhandlungen Zulauf von allerlei Kriminellen und befreiten Häftlingen erhielten, die sich an den Raubzügen in die deutschen Gebiete beteiligten. Am 5.4.1945 erfolgte in Kaschau die erste Sitzung der neugebildeten tschechischen Regierung der nationalen Front, welche in XV Abschnitten der Regierungserklärung bereits alle folgenden Beneš-Dekrete mit Enteignung und Vertreibung der Deutschen und Magyaren vorwegnahm.


Der amerikanische Botschafter in Prag, Steinhart, bezifferte 1946 die tschechischen Kriegsopfer mit ingesamt 36.000, einschließlich 15.000 in alliierten Armeen Gefallener (9.000 Todesurteile und 12.000 KZ-Opfer, von 88.686 Juden überlebten im Protektorat lediglich 2.803).



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